Auch Michael Seidel (MS) stellte eine ganze Reihe nach gleichem Prinzip funktionierender Spardosen her. Die Bilder auf den Seidel-Erzeugnissen sind Zielgruppengerecht naiv gestaltet und darauf abgebildete Spielwaren geben Auskunft über kindliche Begehrlichkeiten der 50er Jahre wie Puppen oder Baukästen und selbst ganz simple Luftballons waren augenscheinlich in der Lage, Wünsche zu wecken.Nach einem gänzlich anderen System arbeitet "eine Sparkasse in neuartiger Ausführung mit Schiebefenster" der Metallwarenfabrik G. Zimmermann aus Zirndorf (ZZ) aus dem Jahre 1951. Öffnet man besagtes Schiebefenster, "erscheint das Bild eines Schalterbeamten und eine kleine Auflagefläche zur Aufnahme des Geldes; nach Druck auf einen Hebel verschwindet das Geld im Inneren und der Schalter ist wieder geschlossen", beschreibt ein zeitgenössischer Anzeigentext diese Funktionsweise. Die äußere Gestaltung dieser Spardose ist, wie die etlicher anderer aus der Zeit nach dem 2.Weltkrieg auch, bewusst "auf alt gemacht", indem offensichtlich Herstellungswerkzeuge aus den 1930er Jahren unverändert übernommen wurden.
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Zimmermann, Zirndorf (ZZ) |
Dadurch sollte die Kriegszeit wohl einfach verdrängt werden, man wollte nahtlos an die Zeit davor anknüpfen und das Geschehene derart zumindest in der Erinnerung ungeschehen machen. Auch bei Geobra beruft man sich auf die Vergangenheit und bewirbt 1949 im Fachmagazin "Das Spielzeug" eine "Registriersparkasse" im alten Stil mit dem Slogan: "Wieder wie in früheren Jahren kann man Fünfer und auch Zehner sparen".
Das genaue Entstehungsdatum festzulegen fällt bei vielen Spardosen ebenso schwer, wie allgemeingültige Kriterien zur Echtheitsprüfung zu nennen. So mussten in Deutschland beispielsweise nach dem 2.Weltkrieg in der amerikanischen Besatzungszone produzierte Waren mit "Made in Germany U.S. Zone" oder einfach nur mit "Made in U.S. Zone" gekennzeichnet werden. "Ab 1949 wurde die Bestimmung aufgehoben, trotzdem wurden Prägestempel und Druckstöcke nicht immer sofort geändert, so dass Spielwaren mit diesem Aufdruck auch noch 1955 und später angeboten wurden", beschreibt Kurt Harrer in seinem "Lexikon Blechspielzeug" die Situation. Zudem wurden nach dem großen Firmensterben Ende der 60er Jahre viele Werkzeuge nach Osteuropa oder Asien verkauft, wo mit ihnen noch unbestimmte Zeit die entsprechenden Spielzeuge hergestellt wurden und zum Teil immer noch werden.
Ein Beispiel ist die "Spar-Uhr", die ebenfalls bei angesparten 3 DM öffnet und zuvor durch einen sich über ein Ziffernblatt bewegenden Zeiger über den jeweils aktuellen Stand in ihrem Inneren informiert.
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Sparautomat Michael Seidel (links), Spar-Uhr |
Dass eine Aufschrift den Einwurf von 10 Pfennig fordert, die Verschlussklappe aber noch den Taler erwähnt (Groschen rein, Zeiger lauf, erst beim Taler spring ich auf), lässt auf eine ursprüngliche Herstellungszeit zu Beginn des 20.Jahrhunderts schließen. Denn trotz des 1871eingeführten Geldsystems mit den neuen Einheiten "Mark und Pfennig" wollten viele Menschen ihren alt gewohnten Taler nicht missen, so dass dieser noch bis 1907 als gültiges Zahlungsmittel im Gegenwert von drei Mark akzeptiert wurde. Der beim abgebildeten Exemplar vorhandene "Made in U.S. Zone Germany" – Aufdruck jedoch belegt, trotz erheblich älterem Erscheinungsbild, eine Herstellung in der Nachkriegszeit und die Tatsache, dass immer noch regelmäßig Stücke dieses Typs in nahezu neuwertigem Zustand auftauchen, lässt auf eine sogar weitaus längere Produktionszeit schließen.
Natürlich sollte jeder Interessent, insbesondere bei Internetauktionen, die nicht die Möglichkeit einer vorherigen Inaugenscheinnahme bieten, diesem Umstand mit der notwendigen Skepsis entgegentreten. Andererseits kann es sich aber natürlich auch wirklich um den angepriesenen Lager-, Speicher oder Kellerfund handeln und man bringt sich durch übergroße Vorsicht eventuell selbst um ein mögliches und nicht wiederkehrendes Schnäppchen.
Bei manchen Spardosen wiederum ist eine zeitliche Einordnung recht einfach möglich. So ist auf dem oberen Deckel eines noch recht häufig zu findenden Sparturms eine Europakarte aufgedruckt, auf der sich Wien innerhalb der deutschen Landesgrenzen befindet.
Es ist wohl sehr unwahrscheinlich, dass ein solches Zeitzeugnis dunkelster deutscher Vergangenheit auch noch nach Kriegsende weiterproduziert wurde. Ebenfalls in diese Zeitspanne einzuordnen ist ein ursprünglich für den österreichischen Markt hergestellter Automat von Geobra, bei dem der Aufdruck Schilling in Reichsmark abgeändert wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang der entsprechend der Verschiedenheit der damaligen Münzen längere Münzeinwurfschlitz beim Exportmodell. Gerade dieser Schlitz ist es, den alle Sparbehälter von der Antike bis heute gemeinsam haben, wie Tyll Kroha in seinem Sparbüchsen-Brevier herausstellt, und der uns "Geldgeschichtlich viel über Größe und Dicke der Münzen, über die Verwendungsdauer der Sparbüchse und eventuell sogar über inflationistische Strömungen " erzählen kann. Erwähnenswert ist sicherlich auch die Spardose "Vogelhäuschen" von LBZ (Lorenz Bolz Zirndorf), aus bunt lithographiertem Blech, die in verschiedenen Motivvarianten auftaucht und bei welcher entsprechende "Made in U.S. Zone" - Aufdrucke aus den zuvor genannten Gründen mit Vorsicht zu genießen sind. Unabhängig vom wirklichen Alter aber kann man sich an einer spektakulären Mechanik erfreuen, bei der "durch Drehen einer an der Außenwand befindlichen Kurbel ein Vogelkopf im Einflugloch erscheint, der den Schnabel öffnet und die auf der Geldauflage befindliche Münze aufnimmt." Durch Weiterdrehen verschwindet der Kopf wieder im Häuschen und lässt dort das Geldstück fallen.
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"Vogelhäuschen" von LBZ |
Ebenfalls hohen Unterhaltungswert bietet die "Fernseh-Spardose mit buntfarbigen Bildern" von Johann Schopper aus dem Jahr 1959, die Münzen jeder Größe aufnimmt. Diese setzen aber kein Zählwerk in Bewegung, sondern transportieren durch den Einwurf eine lithographierte Walze weiter und "lassen jedes Mal ein anderes Fernsehbild erscheinen".
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"Fernseh-Spardose", Johann Schopper |
Eine Sonderform mit doppelter Sicherung vor spontanem Zugriff stellten die von den Banken und Sparkassen ausgegebenen massiven Metallspardosen dar, welche nur von einem Angestellten des jeweiligen Geldinstitutes geöffnet werden konnten. Ließ sich in kindlichen Notsituationen wie Heißhunger auf Schokolade oder Brausedurst aus den normalen Sparschweinen unter Zuhilfenahme eines Messers und bei Blechspardosen durch mehr oder weniger sanftes Aufbiegen immer noch die eine oder andere Münze zurückerlangen, war dies bei diesen Mini-Geldschränken nahezu unmöglich, jeder Einwurf eines Geldstückes wollte daher wohlüberlegt sein. Dass es insbesondere in den Wirtschaftswunderjahren ein besonders großes Angebot an Spardosen gibt, kommt nicht von ungefähr, die Fünfziger gelten als "Jahrzehnt des Sparens". Sämtliche Sparformen erfahren einen steilen Anstieg und man verzichtet auf vieles, das Sparen gilt nicht länger mehr nur als Vorsorge für Notsituationen, sondern dient der Konzentration auf die Erfüllung der wichtigsten Wünsche wie den Erwerb eines Eigenheims oder die Anschaffung hochwertiger Elektrogeräte wie Kühlschrank oder Fernseher. "Wer spart kann auch kaufen", lautete folgerichtig ein damaliger Werbespruch der Spar- und Darlehnskasse. Es liegt auf der Hand, dass sich dieses Erwachsenenverhalten auch in den Kinderzimmern widerspiegelte und der Nachwuchs schon früh an das Sparen herangeführt wurde. Die Lithographien auf den Spardosen geben ein Vorbild mit Darstellungen von Kindern, die hoch aufgeschichtete Münzenstapel balancieren oder ihre Schubkarren voller Geld geladen haben. Jedoch kann die angesichts dieser Darstellungen nahe liegende Frage, ob so viel Geld glücklich macht, leider auch an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Immerhin aber bereitet zumindest das Sammeln von Spardosen eine Menge Vergnügen! ZURÜCK WEITER→