virtuelles Spielzeugmuseum der 50er - 70er Jahre
Startseite
Puppenhäuser 50er
Puppenhäuser 70er
Spielzeug 50er Jahre
Ausstellungen
Puppenhäuser älter
Kaufläden nach 1945
Miniaturismus / 1:12
modern dollhouses
Design
Mit anderen Augen
Erinnerungen / Fotos
Sammelphilosophie
"Gesichterspiele"
Sammelspektrum
mehr...
HÖR ZU! text
Constanze
Constanze 1
Links
gesucht / wanted
Astrid Lindgren
Blyton - 5 Freunde
DAS SPIELZEUGMUSEUM
Parkhäuser
Spardosen
Fernsehspiele
Kinderpost - Spiele
Blechküchen
Spielzeug-Mixer
Puppengeschirr
paper dolls 50s
Weltraumspiele
Verkehrsspiele
DDR-Spielzeug
Gästebuch Archiv
Gästebuch /Guestbook
Impressum / Kontakt

   

Eines Besseren belehren lassen muss sich, wer glaubt, dass „früher vieles besser“ und zumindest Weihnachten noch ein heimeliges Fest der Besinnung ohne die heute üblichen Geschenkorgien war. „Sind Sie, eine reichliche Woche vor den Festtagen, schon wieder so weit, dass Sie sich wünschen, dass diese Feiertage doch endlich schon vorüber wären?“ lautet eine im Jahr 1953 gestellte Frage, deren Fortsetzung den in weiten Bevölkerungsschichten gestiegenen Wohlstand bekundet: „Das Schenken – liegt es Ihnen auch wie ein Druck auf der Seele? Jeder Jahr die gleichen Fragen: Wen soll man beschenken? Was soll man schenken? Wieviel soll man schenken?“ Doch auch an dieser Stelle offenbart sich wiederum dieExistenz einer Zwei-Klassen-Gesellschaft: in der Regel „vergessen wir die Ärmsten, die Heimatlosen, die Kranken, die Opfer der Kriege, die Kinder ohne Väter und Mütter.“  

Das Bestreben, Karriere zu machen und damit der Traum vieler junger Mädchen, ein Filmstar zu werden, ist für Constanze natürlich ebenfalls ein Thema. „Sie will zum Film!“ lautet folglich eine entsprechende Schlagzeile, die jedoch sogleich kritisch hinterfragt wird: „Aber wartet der Film auf junge Leute?“. Tut er natürlich nicht, wie zwei Regisseure wohltuend sachlich in einem entsprechenden Artikel zusammenfassen. Realistischere Chancen auf Bekanntheit verspricht hingegen ein von Constanze initiierter Doppelgänger-Wettbewerb, bei dem Statisten für einen Film gesucht werden. Gefragtestes Vorbild bei den Damen ist die Schauspielerin Grete Weiser und „eine ganze Fuhre Hans Albers finden sie auf der nächsten Seite“. „Lieber Film! Ich bin zwar noch nicht ganz elf Jahre alt, schicke Euch aber doch mein Bild, vielleicht gefällt es Euch?“ fragt ein Berliner Schulkind und wird vom Constanze-Kommentar sogleich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: das Mädchen „nimmt keinerlei Ähnlichkeit mit einem Star in Anspruch. Es möchte nur zum Film – wie viele andere, offensichtlich von ruhmdurstigen Mütter angeleitete Kinder auch, die ihre Fotos einschickten.“ Reportagen über „echte“ Filmstars nehmen in der Constanze vergleichsweise wenig Platz ein, insbesondere in den ersten Jahren betreibt man auch keine „Hofberichterstattung“, sondern berichtet häufig wohltuend distanziert und mit der Constanze eigenen Ironie: „Schlank wie ein Blütenstengel guckt Brigitte Bardot, Frankreichs jüngster Bühnenstar, in unsere Seite hinein. Ihr erster Film soll heißen: „Die Lorbeeren sind schon gepflückt.“ Für sie natürlich. Und deshalb trägt sie ihr 17½ jähriges Näschen auch gleich höher.“ Köstlich ist eine vor Spöttelei strotzende Reportage im Heft 1/1952 über einen aufstrebenden französischen Filmstar mit der Überschrift „Sympathisch soll er sein!“. Darin wird die „Propagandamaschine“ der Filmindustrie bloßgestellt, indem die genreüblichen Publicity-Fotos des jungen Mannes mit entlarvenden Texten unterlegt werden. Ob am Stehimbiss: „Einmal ein Foto für den kleinen Mann. Würstchenessen auf der Strasse macht sich für einen Star immer gut. Daran kann man gleich erkennen, dass er nicht eingebildet ist“, ob am See: „Einmal für Tierfreunde. Schwänefüttern und Hundestreicheln sind Gesten, die immer sympathisch wirken. So ein Mann hat Herz. Dem glaubt man alle Rollen.“ Oder schließlich im Büro: „Einmal für Bürodamen. In der Telefonzentrale, wo er gar nichts verloren hat, muss er so tun, als wäre Telefonieren eine völlig neue Erfindung.“ - zu keiner Zeit hat der „Filmstar“ offensichtlich eine Chance, bei den Constanze-Reportern auf einen grünen Zweig zu kommen und sein auf all diesen Fotos gleich bleibend blasierter Blick lässt erahnen, auf welche Art und Weise er sich deren Wohlwollen verscherzt haben könnte. Auch der Adel hat in den frühen 50ern schlechte Karten. Als Constanze ausführlich über die englische Prinzessin Margret berichtet, hagelt es anschließend aufschlussreiche Beschwerdebriefe. Eine der protestierenden Leserinnen hätte sich „gewünscht, dass Du, liebe Constanze, diesen Artikel-Rummel um Königinnen und Filmschauspielerinnen nicht mitmachst“, eine andere droht im Wiederholungsfall gar mit der Kündigung ihres Abonnements.

Drehen sich in den ersten Constanze – Jahren noch viele Artikel um die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, wobei insbesondere die fortwährende Wohnungsnot einen großen Raum einnimmt, verschwinden diese Themen im Laufe der Zeit zusehends, obwohl 1955 immer noch ein Fünftel aller Haushalte zu den gering verdienenden und damit zu den „Stiefkindern des Wirtschaftswunders“ zu zählen sind. Doch der Mehrheit der Westdeutschen geht es mittlerweile finanziell deutlich besser und mit den Einkommen steigen auch die Ansprüche. Deutlich abzulesen ist diese Entwicklung anhand der Preisausschreiben in Constanze, die damit auch Aufschluss über die jeweiligen Begehrlichkeiten der Bundesbürger geben. Deren größte ist im Jahr 1950 augenscheinlich Bargeld. Neben den drei Hauptpreisen von jeweils 1000, 500 und 300 DM winken als Trostpreise immerhin noch viele „gute Bücher“. Nur zwei Jahre später bekommt der Hauptgewinner mit einem „Ilse-Musikschrank“ inklusive Plattenspieler, Radio und zwei Lautsprechern bereits ein Statussymbol für sein Wohnzimmer, auf den weiteren Plätzen gibt es Photoapparate, Besteckgarnituren und Servierwagen zu ergattern. Im Jahr 1953 muss es dann schon eine „Volkswagen-Export-Limousine mit Radio“ im Wert von 6000 DM sein, gefolgt von einem „Motorroller Lambretta“ und einem Kühlschrank. In den weiteren Gewinnklassen geht es dann mit einem „Starmix mit Zusatzgeräten“, Staubsaugern und Kaffeeservice quer durch den Haushalt. Damit gibt man sich zu Hochzeit des Wirtschaftswunders im Jahre 1959 jedoch nicht mehr zufrieden. „Ilse-Musiktruhen“ finden sich nun siebenfach auf den Plätzen 31 – 37 wieder, das Rätsel besteht aus drei Gewinnrunden mit jeweils einem Auto als Hauptgewinn und „als Clou winkt ein Haus als Sonderprämie!“ Kamen zuvor nahezu ausschließlich Gebrauchsgüter zur Verlosung, finden sich nun in den Gewinnlisten etliche Luxusartikel wie das „Parfum Flair“, eine Geschenkpackung „Seife Englisch-Lavendel“ oder das „Sitzkissen Kalif aus wertvollem Schafleder“.

Im Laufe der Zeit werden die Constanze-Leserinnen parallel zu ihrer wachsenden Zahlungskraft immer mehr zu bloßen Konsumentinnen. Der ehemalige verbindliche Freundinnen-Ton verschwindet nach und nach, die Themen werden stromlinienförmiger und die Modeseiten nehmen immer größeren Raum ein. „Zu Ende der fünfziger Jahre spiegelt sich in Constanze der Zwangscharakter einer entfalteten Konsumgesellschaft...Auf dem Höhepunkt des Wirtschaftswunders…entsteht der unrealistische Eindruck einer Welt voller tadellos frisierter Frauen, die unentwegt in beschwingter Kleidung neuesten Schnitts in einer perfekt ausgestatteten Küche delikate Speisen zubereiten“ empfindet dies Ulla Grum im sehr lesenswerten Buch „Perlonzeit – wie die Frauen ihr Wirtschaftswunder erlebten“.  Mitte der 60er Jahre bestehen diverse Constanze-Hefte nunmehr zu über zwei Dritteln aus Modeseiten sowie Werbeanzeigen, die Reportagen drehen sich vermehrt um Prominente und gekrönte Häupter – Constanze hat ihre Unverwechselbarkeit verloren und geht 1969 schließlich in Brigitte auf.

Während die regulären Constanze-Zeitschriften augrund unterschiedlicher Qualität nur mit Einschränkungen als sammelnswert zu empfehlen sind, erscheint der Erwerb diverser Constanze – Sonderhefte für den an den Fünfziger Jahren Interessierten jedoch durchaus als ein Muss. So erfährt man im 1949 erschienenen „Wohne glücklich mit Constanze“, gegensätzlich zum optimistischen Titel, deprimierendes über die Wohnungssituation: „Acht Millionen Wohnungen fehlen. Ein ruiniertes Volk hockt in gespenstischer Dichte neben- und übereinander und leidet bei Tage und bei Nacht körperlich und seelisch an dieser Not. Es ist „raumkrank“ geworden. Eine schleichende Krankheit, die ein ganzes Volk in seinem gesellschaftlichen Gefüge und sittlichen Verhalten verändert.“ Nur ein knappes Jahrzehnt später präsentiert „Der ideale Haushalt“ aus dem Jahr 1958 „Tausend neue Dinge für alle, die sich ihren Haushalt schön und praktisch einrichten wollen“ und lässt den heutigen Leser auf 200 reich bebilderten Seiten teilhaben an der Elektrifizierung der bundesdeutschen Haushalte, zu einer Zeit, als Waschmaschine und Kühlschrank noch immer keine Selbstverständlichkeit sind. „Dieses Heft kann Sie zwar nicht vom täglichen Einerlei der Hausarbeit befreien, aber es zeigt Ihnen Wege und Geräte, die Ihnen die Mühe leicht machen. Es breitet viele Dinge vor Ihnen aus, in deren Form und Konstruktion sich zeigt, wie die Technik mehr und mehr zur Dienerin der Familie wird. Der große Mittelpunkt unserer Schau ist jedoch der Mensch, die Hausfrau. Heiter und gelassen steht sie inmitten der Hilfsmittel, die ihr der technische Fortschritt bietet und beherrscht sie.“ „Das Rezeptheft“ aus dem selben Jahr gibt Anregungen, was die Hausfrau in ihrer modernen Küche zubereiten kann. „Hawai-Spieß“, Hummer, „Modernes Rehsteak“ und „Ente mit Orangen“ sind deutliche Zeichen, dass die „schlechten Zeiten“ zumindest materiell für viele nur noch Erinnerung sind.