Von den Anfängen bis zum Zweiten Weltkrieg
Die Ursprünge der Firma reichen bis in das Jahr 1891 zurück, als Albin Schönherr in Niederlauterstein eine Manufaktur für Holz- und Spielwaren gründete. Wie für die Spielzeughochburg Erzgebirge typisch, spezialisierte sich der Betrieb zunächst auf die Produktion von Spielzeug in Form von Kaufmannsläden sowie Gehäusen für Puppenmöbel und Puppenhäuser. In den Jahrzehnten bis zum Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Schönherr dann zu einem angesehenen Zulieferer und eigenständigen Hersteller. Während die Modelle um die Jahrhundertwende bis in die 1920er Jahren hinein stilistisch stark den traditionellen Wohnwelten entsprachen, setzte das Unternehmen in den 1930er-Jahren zunehmend auf rationellere Fertigungsmethoden. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die reguläre Spielzeugproduktion in Niederlauterstein stark eingeschränkt und schrittweise auf kriegswichtige Ersatzwaren umgestellt.
Die Nachkriegsjahre: Neustart und Export
Nach 1945 gelang unter der Führung der Nachkommen von Albin Schönherr – allen voran Rudolf Schönherr – die schnelle Wiederaufnahme der Fertigung. Unter dem einprägsamen Firmenkürzel AS (bzw. AS-Niederlauterstein) baute der Betrieb in den 1950/60er Jahren seine Position als einer der führenden Hersteller von Puppenhäusern, Puppenstuben, und Kaufmannsläden in der DDR aus. Ähnlich wie die Firma Gottschalk im nahegelegenen Marienberg nahm auch Schönherr eine wichtige Rolle im Außenhandel ein. Die Produkte fertigte man keineswegs nur für den Binnenmarkt der DDR, sondern in erheblichem Umfang für den Export in das westliche Ausland. Über die staatlichen Handelsstrukturen gelangten die Schönherr-Puppenhäuser in die Sortimente und Kataloge großer westdeutscher Versandhäuser und blieben somit ein geschätzter Devisenbringer.
Verstaatlichung und das Aufgehen in VERO
Trotz der erfolgreichen Exportbilanz blieb das Traditionshaus von den Umstrukturierungen der DDR-Wirtschaftsführung nicht verschont. Die große Welle der Zwangsverstaatlichung im Jahr 1972 besiegelte das Ende des privaten Familienbetriebs. Die Firma wurde enteignet und zunächst als VEB Holzspielwaren Niederlauterstein weitergeführt.
Wenig später erfolgte die endgültige Eingliederung in das zentral gelenkte Großkombinat VEB VERO Olbernhau, in dem das Werk fortan als eigener Betriebsteil geführt wurde. Der traditionsreiche Markenname AS verschwand aus dem Handel. Viele der bewährten Schönherr-Grundmodelle dienten VERO jedoch als direkte Vorlage und wurden in industriell vereinfachter, stark standardisierter Form noch bis in die 1980er-Jahre weitergebaut.