Puppenhäuser von Albin Schönherr

Puppenhaus „Haus Helga“ aus den 1950er Jahren – Hersteller ist die Holzspielwarenfabrik Albin Schönherr, Niederlauterstein / Erzgebirge (DDR), gegründet 1895 durch Albin Schönherr, einen ehemaligen Mitarbeiter des seinerzeit wohl renommiertesten Puppenhaus-Herstellers Moritz Gottschalk. Die Häuser wurden nach beliebten Mädchennamen ihrer Zeit benannt, so gibt es dieses Modell (z.T. mit geringfügigen Änderungen wie beispielsweise veränderten Türen) unter anderem noch als „Haus Ingrid“, „Haus Gisela“ oder „Haus Karin“. – Ich habe das Haus leer bekommen und mich bemüht, es zeittypisch einzurichten. Maße: 108 x 44 x 45 cm

Wie im "richtigen Leben" – Puppenstubenwelt und Wirklichkeit: Während die Männer im Wohnzimmer über das neue Radio fachsimpeln, bereiten die Frauen das Essen vor.

Firmengeschichte

Von den Anfängen bis zum Zweiten Weltkrieg

Die Ursprünge der Firma reichen bis in das Jahr 1891 zurück, als Albin Schönherr in Niederlauterstein eine Manufaktur für Holz- und Spielwaren gründete. Wie für die Spielzeughochburg Erzgebirge typisch, spezialisierte sich der Betrieb zunächst auf die Produktion von Spielzeug in Form von Kaufmannsläden sowie Gehäusen für Puppenmöbel und Puppenhäuser. In den Jahrzehnten bis zum Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Schönherr dann zu einem angesehenen Zulieferer und eigenständigen Hersteller. Während die Modelle um die Jahrhundertwende bis in die 1920er Jahren hinein stilistisch stark den traditionellen Wohnwelten entsprachen, setzte das Unternehmen in den 1930er-Jahren zunehmend auf rationellere Fertigungsmethoden. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die reguläre Spielzeugproduktion in Niederlauterstein stark eingeschränkt und schrittweise auf kriegswichtige Ersatzwaren umgestellt.

Die Nachkriegsjahre: Neustart und Export

Nach 1945 gelang unter der Führung der Nachkommen von Albin Schönherr – allen voran Rudolf Schönherr – die schnelle Wiederaufnahme der Fertigung. Unter dem einprägsamen Firmenkürzel AS (bzw. AS-Niederlauterstein) baute der Betrieb in den 1950/60er Jahren seine Position als einer der führenden Hersteller von Puppenhäusern, Puppenstuben, und Kaufmannsläden in der DDR aus. Ähnlich wie die Firma Gottschalk im nahegelegenen Marienberg nahm auch Schönherr eine wichtige Rolle im Außenhandel ein. Die Produkte fertigte man keineswegs nur für den Binnenmarkt der DDR, sondern in erheblichem Umfang für den Export in das westliche Ausland. Über die staatlichen Handelsstrukturen gelangten die Schönherr-Puppenhäuser in die Sortimente und Kataloge großer westdeutscher Versandhäuser und blieben somit ein geschätzter Devisenbringer.

Verstaatlichung und das Aufgehen in VERO

Trotz der erfolgreichen Exportbilanz blieb das Traditionshaus von den Umstrukturierungen der DDR-Wirtschaftsführung nicht verschont. Die große Welle der Zwangsverstaatlichung im Jahr 1972 besiegelte das Ende des privaten Familienbetriebs. Die Firma wurde enteignet und zunächst als VEB Holzspielwaren Niederlauterstein weitergeführt.
Wenig später erfolgte die endgültige Eingliederung in das zentral gelenkte Großkombinat VEB VERO Olbernhau, in dem das Werk fortan als eigener Betriebsteil geführt wurde. Der traditionsreiche Markenname AS verschwand aus dem Handel. Viele der bewährten Schönherr-Grundmodelle dienten VERO jedoch als direkte Vorlage und wurden in industriell vereinfachter, stark standardisierter Form noch bis in die 1980er-Jahre weitergebaut.

Der Beginn des Wirtschaftswunders

„Man haust nicht mehr … man wohnt wieder …“

Zeitschriftenwerbung eines Möbelherstellers (1955)

Albin Schönherr, DDR, um 1955/60, mit tollem Wintergarten – leider ist das Kunststoff-Fenster schon ein wenig trübe. Maße: 92 x 39 x 57 cm 

"Ihr Heim – die Erfüllung Ihrer Sehnsucht" (1955)
Puppenhaus "Haus Karin", Albin Schönherr, DDR, ca. 1955/58, Maße: 75 x 48 x 40 cm

Riesiges und interessant verschachteltes Puppenhaus der Albin Schönherr Holzspielwarenfabrik, Niederlauterstein / Erzgeb., DDR, Vertrieb in der Bundesrepublik durch Heinrich Bauer, Nürnberg ab 1962. Das Haus ist ein Sperrmüll-Fund (!), die Möbel habe ich hinzugefügt. – Eine Zeit lang bin ich regelmäßig den Sperrmüll (in der DDR nannte man das Grobmüll) abgefahren und habe dort die tollsten Sachen entdeckt. Ich werde nie vergessen, wie ich am Ende einer Sackgasse ein rotes Dach ausmachen konnte und ahnte, dass es sich nur um ein Puppenhaus handeln konnte. Die Sekunden auf dem Weg zum Standplatz des „Müllhaufens“ gehören zu den spannendsten meiner Sperrmüllzeit überhaupt. Maße: 108 x 43 x 30 cm.  

Holzspielwarenfabrik Albin Schönherr, Niederlauterstein / Erzgebirge, Maße; 98 x 42 x 46 cm
Um 1960, DDR, Haus, Einrichtung und Bewohner 100% original, Maße: 90 x 48 x 50 cm
Puppenhaus von Albin Schönherr
Aus einem Spielzeugkatalog um 1958: "Großes Puppenhaus mit Terrasse, zwei Zimmern, Flügeltüre, Blumenfenster und Lampe für Batterieanschluß. Sockelmaße ca. 69 x 43cm." Preis DM 29,50
Aus einem Spielzeugkatalog von 1958: "Dieses große, moderne Puppenhaus hat 2 Zimmer und eine Veranda." – "Ich muss schon sagen, hier können Puppen aber wirklich modern wohnen!" Preis: DM 35
Puppenhaus mit großer Terrasse, Albin Schönherr, Maße: 106 x 42 x 37 cm

Heute Wunsch – morgen Wirklichkeit

„Heute Wunsch – morgen Wirklichkeit“ – Bausparkassenwerbung (1961) – Puppenhaus-Bungalow von der Holzspielwarenfabrik Albin Schönherr, Niederlauterstein/Erzgebirge. Maße: 74 x 40 x 30 cm.  Haus und Möblierung um 1962, 100 % original, d.h. , so wie es damals bespielt wurde. Die Spielseite lässt sich mit einem reizvoll im Stil der Zeit gemusterten „Plastics“-Vorhang aus Acella verschließen. Somit war (und ist) der Innenraum vor Staub geschützt – eine ebenso simple wie wirkungsvolle Vorrichtung!

Puppenhaus, Albin Schönherr, DDR, um 1960. – Ein Puppenhaus mit etlichen Macken: teilweise überstrichen, Markise nicht original, Fußbodentapeten mit Nässeschäden… Nichtsdestotrotz eines meiner Lieblingshäuser. Warum? Weil es sich um eines der im „Traumwelten der 50er Jahre“ – Katalog abgebildeten Originale handelt! Mehr über diesen legendären Katalog auf der Seite „Über dieses Museum„. – Maße: 54 x 39 x 45 cm

Eine versenkbare Nähmaschine – in den 50er und auch noch 60er Jahren ein weit verbreitetes „Möbelstück“, sowohl in bundesdeutschen als auch in DDR-Haushalten.

Puppenhaus-Bungalow, Albin Schönherr, Maße: 74 x 52 x 31 cm