Puppenhäuser der 50er Jahre – ein Spiegel deutscher Wohnkultur


Puppenstuben der 50er und 60er Jahre
Puppenhäuser der 70er Jahre
Kaufläden

Spielzeug der 1950er und 1960er Jahre
Spielzeug der 1970er Jahre
DDR-Spielzeug

Spielzeug formt den Menschen

Spielzeug ist seit jeher eine verkleinerte Abbildung der realen Welt und spiegelt daher auf das Schönste den Zeitgeist seiner Entstehungszeit wider. Die Objekte, mit denen Kinder die Welt im Kleinen nachahmen, geben nicht nur Auskunft über Modetrends, technologische Innovationen und gesellschaftliche Strömungen ihrer Epoche, sondern lassen zudem Rückschlüsse auf die moralischen Wertmaßstäbe der Erwachsenenwelt zu.

Die Jahrzehnte zwischen dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und dem gesellschaftlichen Aufbruch der 1970er Jahre stellen eine ganz besondere Phase deutscher Geschichte dar, vollzogen sich doch viele Entwicklungen in einem regelrechten Zeitraffer-Tempo: Die Menschen der Nachkriegsjahre einte die Sehnsucht nach Stabilität und Rückkehr der Ordnung, das Spielzeug dieser Zeit zementierte daher traditionelle Rollenverteilungen: Mädchen übten mit Miniatur-Küchenherden, Waschmaschinen und Puppen die Rolle der perfekten Hausfrau und Mutter, Jungen bauten mit Metallbaukästen oder mechanischen Blecheisenbahnen die Fabriken und Infrastrukturen der neuen Zeit nach. Spielzeug fungierte hier als Werkzeug der sozialen Stabilisierung und feierte zugleich den Glauben an den industriellen Fortschritt, einen Höhepunkt bildet ein Atomkraftwerk für das Kinderzimmer.

In den 1960er Jahren hielten mit Kunststoffen neue Materialien flächendeckend Einzug. Sie machten Spielwaren extrem wandelbar, bunt und für breite Schichten der Bevölkerung erschwinglich. Parallel dazu ließ sich mit "Weltraumspielzeug" das größte technologische Abenteuer der Menschheit, die Mondlandung, nachvollziehen. – Auch das Rollenbild geriet in Bewegung. Das Aufkommen neuartiger, erwachsene Frauen darstellende Ankleidepuppen brach mit dem klassischen Mutter-Kind-Schema. Mädchen spielten nun nicht mehr nur die Fürsorge für ein Baby nach, sondern das Leben einer unabhängigen Frau, die reiste und Berufe ausübte – ein direkter Vorbote der beginnenden Emanzipation.

Das besondere Interesse an Puppenstuben und Puppenhäusern entstand im Übrigen durch eine Vorliebe für Formen und Farben der 1950er Jahre und die Entdeckung, dass sich die Wohnkultur dieser Zeit durch Architektur und Möbel im spielgerechten Miniaturformat auf ausgesprochen anschauliche Art und Weise im Mikrokosmos der Puppenstubenwelt widerspiegelt. Im Laufe der Zeit kamen dann noch "automatisch" viele Objekte aus anderen Epochen hinzu.


Antike Puppenstuben – Sammlung Ursula Luhr
Antike Puppenhäuser und Puppenstuben

Sammelphilosophie

Es ist mir ein Anliegen, alte Spielsachen in allererster Linie in ihrem Zusammenhang mit Mensch und Zeit zu sehen. Das bedeutet für mich, dass ich historisches Spielzeug nicht, wie heutzutage leider vielfach zu beobachten, in erster Linie als Handelsobjekt mit einem mehr oder weniger hohen materiellen Wert ansehe, sondern als das, wozu es einst produziert wurde: als Mosaiksteinchen in Kindheit und damit Entwicklung eines ganz bestimmten Menschen.

Am Schönsten ist es daher zweifellos, wenn ich Sachen aus den Händen der ursprünglichen Besitzer bekomme und diese mir etwas über die jeweilige Historie ihrer Spielzeuge berichten können. Dabei handelt es sich oft gar nicht um spektakuläre Geschichten oder Anekdoten, sondern vielmehr um die Vermittlung eines Gefühles für die jeweilige Epoche aus erster Hand, seien es die 1930er, 1950er oder 1970er Jahre. Auf jeden Fall aber ist mir ein Zeitzeugenbericht über das Kinderleben, das Lebensgefühl und die kleinen Dinge des Alltags wesentlich wichtiger als das Forschen nach Herstellern oder Marktwerten.

Übrigens: Spielspuren, auch stärkere, gehören für mich dazu. Und ich finde sogar: Unbespieltes Spielzeug hat seinen Daseinszweck verfehlt!

Über dieses Museum

Paper Dolls / Papierpuppen
Spielzeug-Mixer
Blechküchen

Ein werbefreies Archiv zur Kulturgeschichte von Puppenhäusern und Puppenstuben

Seit rund 25 Jahren dokumentiert dieses Online-Museum die Welt des historischen Spielzeugs. Um die Unabhängigkeit und wissenschaftliche Qualität zu sichern, verzichtet dieses Portal bewusst auf störende Werbebanner. Diese Arbeit wurde nun offiziell gewürdigt, das Puppenhausmuseum wurde als Fachperiodikum unter der ISSN 3056-5448 registriert.
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© Text und Fotos: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft – ISSN: 3056-5448