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DDR-SPIELZEUG


 In der DDR produziertes Spielzeug ist ebenfalls in verschiedenen anderen Rubriken des virtuellen Museums zu finden. Zum einen fand sehr viel in der DDR hergestelltes Spielzeug als willkommener Devisenbringer seinen Weg auch ins "kapitalistische Ausland", sodass sich's eh vermischt hat, zum anderen wird ein Mädchen in der Bundesrepublik seiner Puppe auf ihrem Spielzeugherd genau so ein "Süppchen" gekocht haben, wie in der DDR. Auf diesen Seiten finden sich deshalb überwiegend Spielzeuge, die es in dieser Form nur im "Arbeiter- und Bauernstaat" gegeben hat.

Interessant ist sicherlich, in welch starkem Maße sich die Ideologien der verschiedenen Systeme in den Kinderzimmern wiederfinden. Auffällig im kapitalistischen Westen ist zum Beispiel die Präsenz vieler bekannter Firmen im Spielwarenbereich, sei es in Form einer großen Vielfalt von Kaufladenschachteln der bekannten Markenhersteller oder von Autos oder Eisenbahnen mit entsprechenden Werbeaufdrucken. Im Osten dagegen wurde verstärkt Wert auf die Vermittlung politischer Inhalte gelegt, wie im Extrem die nachfolgenden Kinderpost dokumentiert, deren Stempel statt der Kindgerechten Abbildung von Blumen oder Teddies an den "Tag der Nationalen Volksarmee" erinnert und davon zeugt, wie früh und wie direkt Kinder in der DDR mit politscher Propaganda konfrontiert wurden. Im Folgenden also nun einige typische DDR-Spielzeuge - Falls jemand seine ganz persönlichen Erinnerungen dazu beitragen möchte, freue ich mich über eine entsprechende EMAIL.

   

 

 

 

 


Aussagekräftiges DDR-Spielzeug: Annaberger Puzzle mit 500 Teilen: "Sandmann im Palast der Republik" (der ja nun leider wegen des unsäglichen Kitschprojektes "Stadtschloss"  - noch dazu in einem nichtssagenden Entwurf - abgerissen wurde. Fast so, als wäre die DDR nie gewesen...)


 

Lang gesucht und nun endlich Bestandteil der Sammlung: Der extrem rare Palast der Republik - Baukasten von FORMO (VEB Gothaer Kunststoffverarbeitung), lt. Aufbauanleitung aus dem Jahr 1977. Gab es wohl im Souvenirshop des "echten" Palastes zu kaufen. So gelungen sowohl im Bezug auf das Design als auch auf den Spielwert viele DDR - Spielzeuge daherkommen: Dieses hier kann bezüglich letztgenanntem weniger überzeugen. Die einzelnen Teile halten teilweise schlecht zusammen, andere wiederum sind unglaublich schwer zusammenzufügen, weil das dafür verwendete Plast viel zu hart ist und auch die Passgenauigkeit viele Wünsche offen lässt. Als meine Fingerkuppen kurz vorm Bluten waren, habe ich mir schließlich einen kleinen Hammer zu Hilfe genommen... Ich frage mich, ob das Material im Laufe der Zeit so ausgehärtet ist oder ob das schon damals so war. Falls jemand bereits zu DDR-Zeiten damit gespielt hat, würde ich mich über einen Erfahrungsbericht freuenKONTAKT  (Herzlichen Dank an Silvio für folgende Reaktion: "Das war normal dass die Teile schwer zusammen gingen, deswegen waren wohl auch mehr drin, so als Ausgleich für Teile, die gar nicht passten"). Maße des fertig gebauten PdR-Modells: 38 x 15,5 x 9,5 cm. - Es gibt übrigens noch einen anderen PdR-Baukasten vom selben Hersteller. Dieser stammt aus der unmittelbaren Nach-Wende-Zeit, hat kleinere Bausteine und bildet daher sein Vorbild auch in kleinerem Maßstab nach. Leider sind die Fensterbausteine bei diesem Modell für meinen Geschmack viel zu dunkel geraten, fast schwarz und nahezu undurchsichtig. Dafür ist letztgenannter Bausatz in der Regel aber auch für einen Bruchteil der Summe zu erstehen, die man für das 70er-Jahre-Exemplar zu veranschlagen hat - wenn man es denn überhaupt findet...Bei dieser Gelegenheit vielen Dank an Henrik aus Aarhus in Dänemark, der mir auf eine entsprechende Anfrage in meiner "gesucht"-Rubrik hin per Email den entscheidenden Tipp gab, wo der Baukasten zu finden war: Nämlich stilgerecht in einem Laden in Berlin an der Karl-Marx-Allee!).

 

Bauanleitung "Palast der Republik"

Die Originalverpackung des Palast der Republik - Baukasten. Die hier gezeigte Originalschachtel (47 x 25 x 10cm) beeinhaltet noch etliche weitere Bausteine, für den Bau des PdR benötigt man schätzungsweise knapp zwei Drittel des Inhaltes. Auf dem Foto der Schachtel ist der "Palast" in anderer, vom Maßstab her größerer Bauart zu sehen, als in der Bauanleitung. Um aber das Modell auf dieser Karton-Abbildung nachzubauen, reichen die vorhandenen Bausteine wiederum nicht aus...Bleiben also einige Fragen offen.

 


 

"Sandmann, lieber Sandmann!", Brettspiel, SPIKA, 1967, Schachtel 36 x 25cm


Legespiel zur DDR - Geographie von SPIKA

"Mit dem Auto durch die DDR", ein Würfel-Brettspiel des "Freier Deutscher Gewerkschaftsbund", dem Dachverband der DDR-Gewerkschaften.


 

Vielleicht mehr noch als in Deutschland-West war in der DDR selbstgebautes Spielzeug zu finden.

Ich erinnere mich, dass vieles davon nach der Wende den Weg auf den Sperrmüll fand, weil es offensichtlich für nicht mehr gut genug erachtet wurde. Meterhoch türmten sich in manchen Straßen an den entsprechenden Abfuhrterminen die gesammelten Kellerinhalte. LEIDER!! habe ich damals noch nicht gesammelt, nur hin und wieder sporadisch bei Besuchen das ein oder andere Stück mitgenommen. Dass es mittlerweile auch vielen in der DDR aufgewachsenen Menschen leid tut, überstürzt so viele Kindheitsrelikte entsorgt zu haben, merkt man an den stetig steigenden Preisen bei Internetauktionen für die entsprechende Objekte.

 

 

 

 

 

Typisches DDR-Spielzeug: Selbstgebaute Minol-Parkgarage, für die durchlöcherte Rückwand wurde wohl das Oberteil eines "BOB Steckstein-Baukasten" verwendet.

Mehr DDR-Parkhäuser auf meinen speziellen Parkhaus-Seiten

Hier noch mal "in groß": Der in obigem Spiel-Parkhaus zu entdeckende "Minol-Pirol", eine skurrile Mischung aus Vogel und Ölkanne, der zu einer Ikone der DDR-Werbung avancierte. Höhe ca 65mm.


weiterer Sperrmüll- (Grobmüll-) Fund: selbstgebaute "Schaukelgans"


"Sputnik, Sputnik, kreise" - "Ein Liederbuch für die Vorschulerziehung". In der ersten Abteilung des Buches findet man "Lieder vom sozialistischen Aufbau in Stadt und Land, von der Helfern bei der Arbeit, von Kran und Bagger, von Traktor und Kombine, von den Berufen der Eltern, von den Soldaten unserer Volksarmee, von Auto, Feuerwehr, Eisenbahn und Sputnik...".

"1) Kreise, Sputnik, kreise / mach die große Reise /grüß den lieben Mond /der am Himmel wohnt - 2) Sause, Wostok, sause! / Brachtest schnell nach Hause / Gagarin und Titow / Gagarin und Titow - 3) Wenn ich später groß bin / wie Titow und Gagarin / möcht ich hin zum Mond / der am Himmel wohnt (Worte: Fritz Bachmann (1) / Johanna Neumann (2/3 ))"

"1) Mein Bruder ist Soldat im großen Panzerwagen / und stolz darf ich es sagen / Mein Bruder schützt den Staat / Mein Bruder schütz den Staat - 3) Und greift uns jemand an / so hat er nichts zu lachen / die Volkssoldaten wachen / und stehen ihren Mann (Manfred Hinrich)

Interessieren würde mich, ob Lieder dieser Art in dem Buch standen, weil dies die Vorgaben "von oben" forderten oder ob solche Texte in den DDR-Kindergärten wirklich gesungen wurden. Freue mich über Erinnerungen von Menschen, die es erlebt haben! KONTAKT 


Ich bin mir nahezu sicher, dass es sich bei diesem Würfelpuzzle mit seinen realitätsbezogen "düsteren" Motiven ebenfalls um ein Erzeugnis aus (den Anfangsjahren) der DDR handelt, da dort die Kinder - wie bereits angeführt - insbesondere durch Spielzeuge schon früh an "den Ernst des Lebens" herangeführt werden sollten. Auch ein Bericht über den Zweiten Weltkrieg mit garadezu verstörenden Illustrationen, wie unten zu sehen, wäre in einem westdeutschen Kinderbuch in solcher Form sicher nicht zu finden gewesen, schon gar nicht unter dem Titel "Ein buntes Jahrbuch"...

                  

 

 

 


 

"Selbst ist das Mädchen"...Das Bemühen um Emanzipation begann in der DDR bereits im Kindesalter (Warum und weshalb und ob dies von Seiten des Staates aus uneigennützigen Gleichstellungsgründen geschah oder mit dem Hintergedanken verbunden war, sich möglichst viele Arbeitskräfte zu erziehen und damit eine möglichst hohe Produktivität zu erzielen, sei an dieser Stelle mal nicht weiter erörtert...). Auf einer entsprechenden Spielzeugschachtel in Deutschland-West jedenfalls wäre ein Mädchen mit Schraubenzieher wohl undenkbar gewesen. Dort hätte sicherlich "der große Bruder" die Puppenstubenelektrik verlegt...

 

             

Beim Würfel-Brettspiel "Wir bauen ein Haus" aus dem Jahr 1959 stellen Frauen in "typischen Männerberufen" eine Selbstverständlichkeit dar. So trifft man auf dem Spielbrett "im Vorübergehen die Glaserin Erika, die schon Fenster einsetzt" und auf Feld 73 "Hilde, die einen Ofen setzt." 

 

 

 

Aus "Spielzeug richtig ausgewählt" von 1964: "Wir können heute keinesfalls einen Unterschied zwischen speziellem Spielmaterial für Jungen oder für Mädchen machen. In der DDR ist die Frau gleichberechtigt. (...) Sie müssen dem in der Erziehungsarbeit Rechnung tragen, wenn Sie nicht wollen, daß Ihre Kinder später einmal im Beruf oder in der eigenen Familie Schwierigkeiten haben. - Unseren Mädchen bieten sich die gleichen Berufsmöglichkeiten wie den Jungen. So haben die Eltern die Aufgabe, auch in ihren Mädchen das technische Interesse zu wecken und zu fördern."

"Ankleidepuppe Annemarie mit Berufskleidern" für "Straßenbahn, Montage, Verkehrspolizei, Briefpost, Gartenbau, Säuglingspflege, Ärztin", mehr DDR Ankleidepuppen HIER 

Kleidungsstücke für Ausschneidepuppen, die erahnen lassen, warum beispielsweise Jeanshosen aus dem Westen in der DDR so begehrt waren...Besonders interessant ist der Mantel unten rechts: Auf der in der Hand gehaltenen Radio-Programmzeitung sind die Titel staatskonformer Sendebeiträge wie „sowjetische Künstler musizieren“ zu entziffern. Unter dem anderen Arm steckt eine Zeitschrift, von deren Namen nur drei Buchstaben erkennbar sind. Diese lassen jedoch als Schluss zu, dass es sich um den Eulenspiegel handelt, das seinerzeit bekannteste Satiremagazin der DDR...


 "Militärisches Spielzeug" (Auszug aus dem Fachbuch "Spielzeug" von 1958)

"Der Erwachsene hat in bezug auf militärisches Spielzeug und vor allem den Umgang des Kindes mit solchen Gegenständen nicht nur eine sehr schwierige, sondern auch eine in hohem Grade moralische Aufgabe. Gilt es doch, Sinn und Zweck des Spielzeugs in einer einfachen, dem Kinde sofort eingängigen Form zu erläutern. Denn die Funktion des Gewehrs als Waffe, mit der man in der Lage ist, andere Menschen zu töten, ist nur ein Teil der notwendigen Erklärung, die das Kind von seinem Erzieher erhalten muß. Wenn aber das Kind erfährt, daß es böse Menschen gibt, die nur zu gerne in seinen Lebensbereich eindringen würden, daß aber diese bösen Menschen gerade über solche Waffen verfügen, dann weiß es, daß es die Waffen dann gebrauchen wird, wenn es gilt, seine Heimat gegen solche Eindringlinge zu verteidigen."

Combina Puzzle, "NVA-Serie", VEB Kinderspiele, Schmalkalden, Schachtel 34 X 24,5cm


 

"Ostalgie" pur: Annaberger Puzzle "IL 14" mit Abbildung einer "Iljuschin 14" der Interflug, Schachtel 19,5 x 14 x 4,5cm


 

"Auto-Puzzle", VEB IFA-Kombinat Karl-Marx-Stadt


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